(English below)

Wir alle kennen das: Wir stecken Zeit, Geld oder Energie in etwas und obwohl wir längst merken, dass es nicht funktioniert, machen wir weiter. Der Grund: Die Sunk Cost Fallacy (auf Deutsch: Versunkene-Kosten-Falle).
Was steckt dahinter?

Menschen neigen dazu, Entscheidungen nicht nach rationalen Zukunftsaussichten zu treffen, sondern nach dem, was sie bereits investiert haben. Wie erkennt man es?

Fokus auf die Vergangenheit: „Ich habe doch schon so viel investiert.“
Angst vor Verlust: „Das darf nicht umsonst gewesen sein.“
Eskalierendes Engagement: Man wirft noch mehr hinterher und verschwendet dadurch weitere Ressourcen. Was den Effekt noch verstärkt.

Typische Beispiele

🎓 Studium: Ein Fach weitermachen, obwohl es nicht passt, „weil man schon so viel Zeit reingesteckt hat“.
🏢 Unternehmen: Weiter Geld in ein scheiterndes Projekt pumpen, nur um nicht den Fehler einzugestehen zu müssen und die bisherigen Kosten abzuschreiben.
❤️ Beziehungen: Festhalten, obwohl man unglücklich ist aus Angst, die investierte Zeit und Energie „verloren“ zu haben.

Soweit, so bekannt. Aber, wie lässt sich das nutzen?
👉 Beispiel 1 – Kundenprofil

Die meisten Plattformen/ Kundenprofile verlangen bei der Registrierung nur Basisdaten: Name, Mailadresse, vielleicht ein Profilbild. Aber was passiert, wenn man den Aufwand bewusst erhöht?

Ein detailliertes Profil, das individuell angepasst wird. Mit Upload-Möglichkeiten, Verknüpfungen zu Tools wie Google Drive oder eigenen Gestaltungsmöglichkeiten, all das steigert den Einsatz des Nutzers.

Das Ergebnis: Je mehr Mühe er hineinsteckt, je mehr es individualisierbar ist, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass er die Plattform wieder verlässt.

👉 Beispiel 2 – Events & Community

Statt ein Event „friktionslos“ zugänglich zu machen, lässt sich der Effekt nutzen, indem man die Teilnehmer aktiv investieren lässt:

Sie beantworten vorab Fragen (z. B. zu Zielen, Herausforderungen, Interessen).
Sie definieren vorab, warum sie kommen werden, was sie erwarten. Networking z.B.
Sie erstellen vielleicht sogar ein kleines Vorstellungsprofil in der Event-Community.

Das kostet Zeit und Aufmerksamkeit, aber genau dadurch steigt das Commitment. Wer so viel Vorarbeit investiert hat, erscheint eher wirklich beim Event, beteiligt sich aktiver und bleibt danach länger Teil der Community.

🧠 Du verstehst die Idee. Also meide den Effekt, aber…

👉 Wo könntest du die Sunk Cost Fallacy bewusst zu deinen Gunsten einsetzen?

Mehr davon? https://wolve.blog Webseite: www.wolfganggehrer.de

🇬🇧 English version

We all know this: we invest time, money, or energy into something—and even when we already realize it isn’t working, we keep going. The reason: the Sunk Cost Fallacy.
What’s behind it?
People tend to make decisions not based on rational future prospects, but on what they’ve already invested.

Focus on the past: “But I’ve already put so much into it.”
Fear of loss: “It can’t have been for nothing.”
Escalating commitment: throwing even more after it, wasting further resources—which only amplifies the effect.

Typical examples

🎓 Studies: Continuing with a degree that doesn’t fit, “because you’ve already invested so much time.”

🏢 Business: Pouring more money into a failing project, just to avoid admitting the mistake and writing off past costs.

❤️ Relationships: Holding on, even though you’re unhappy, out of fear of “losing” the time and energy already invested.

So far, so familiar. But how can this be used?

👉 Example 1 – Customer Profiles

Most platforms/customer profiles only ask for basic data when registering: name, email, maybe a profile picture. But what happens if you deliberately increase the effort?

A detailed profile, customizable, with upload options, integrations with tools like Google Drive, and personalization features, all of this increases user investment.

The result: The more effort they put in, the more they can individualize it, the less likely they are to abandon the platform.

👉 Example 2 – Events & Community

Instead of making an event “frictionless,” you can leverage the effect by making participants actively invest:

They answer questions in advance (e.g., about goals, challenges, interests).
They define beforehand why they are attending and what they expect (e.g., networking).
They might even create a short introduction profile in the event community.

This takes time and attention, but that’s exactly what increases commitment. Those who invest so much upfront are far more likely to actually show up, participate actively, and remain part of the community afterward.

🧠 You see the idea. So avoid the effect when it traps you, but…

👉 Where could you deliberately use the Sunk Cost Fallacy to your advantage?


Zuerst erschienen im Newsletter Wolfgang Weekly @LinkedIn.

Warum wir an Falschem festhalten …und wie sich das nutzen lässt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen

Wolfgang Gehrer – Keynote Speaker & Verhaltensarchitekt, München

Wolfgang Gehrer ist Keynote Speaker und Redner mit Schwerpunkt Verhaltensarchitektur, Applied Behavioral Economics und Entscheidungspsychologie. Über 30 Jahre Felderfahrung in Marketing, Leadership, HR und Unternehmertum. Buchbar für Keynotes und Vorträge im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz). Sprachen: Deutsch und Englisch.

Themen: Verhaltensarchitektur · Applied Behavioral Economics · Entscheidungspsychologie · Leadership · Marketing-Psychologie · HR & Organisationsverhalten · Nudging · Unternehmertum · Perception & Perspective Design

Keynote-Formate: 45 bis 90 Minuten. Für Konferenzen, Führungskräfte-Tagungen, HR-Kongresse und Marketingevents.
Presseinformationen und Medienmaterial