Digitalisierung und Disruption – Was killt mein Business?

Erstveröffentlichung in der HuffingtonPost 15.05.2018


Wenn Unternehmen sich mit den zukünftigen Entwicklungen beschäftigen, dann fallen sehr schnell Stichwörter wie „Digitalisierung“, „Welt der Zukunft“, „Social Media“, „Cloud“  usw. Im weiteren Verlauf wird dann viel darum diskutiert, welche Maßnahmen sinnvoller sind, um der zunehmenden Digitalisierung und der zu erwartenden technischen Entwicklung generell gewachsen zu sein.

Dabei geht es oft um Dinge wie: Brauchen wir eine (neue) Webseite? Einen Blog? Was ist mit Social Media? Brauchen wir eine Facebook-Seite, oder einen Twitter-/ Instagram-Account? Was soll da drauf sein, wer betreut das, wie geht das? Was ist mit Trafik, wo soll der her kommen? Was ist mit einem CRM-System? Brauchen wir überhaupt eins, brauchen wir ein Update auf das bestehende System? Was ist mit Cloud-Lösungen? Sollen wir? Hausintern oder ausgelagert? Was ist mit Datenschutz? Machen wir jetzt alle Listen in Excel? usw. usw.

Das hat zwar alles im weitesten Sinne alles mit Digitalisierung zu tun, trifft aber nicht den Punkt. Wie eine alte Weisheit lautet: „Das Allgemeine vor dem Speziellen.“ Daher meine Empfehlung:

Schritt 1: Zunächst verstehen, was exponentielles Wachstum überhaupt bedeutet. Schätzen wir den Fortschritt richtig ein? Wie schnell kommt was genau auf uns zu?

Schritt 2: Ein Überblick über die Schlüssel-Technologien:

  • 3D Druck
  • Nanotechnologie
  • Künstliche Intelligenz
  • Raumfahrt/ Luftfahrt
  • Robotik
  • Medizin/ Genetik/ Langlebigkeit
  • autonomes Fahren/ eMobilität
  • Augmented & Virtual Reality

Warum diese Technologien? Weil die nächste disruptive Entwicklung, welche ihr Unternehmen möglicherweise existentiell gefährdet, ziemlich sicher aus einer der o.g. Schlüssel-Technologien kommen wird. Dummerweise sind wir oft blind für Vorgänge außerhalb unserer eigenen Branche und übersehen dabei mögliche Gefahren. Das ist in der Wirtschaftsgeschichte schon öfter passiert.

Kodak gilt hier gerne als Musterbeispiel. Sie entwickelten die Ursprünge für digitale Fotografie sogar im eigenen Haus, verloren dann aber zunächst den Glauben an die Technologie und anschließend den Anschluss an die Konkurrenz. Kodak wurde  von anderen Unternehmen überholt, welche die Zeichen der Zeit richtig erkannten, die Digicam weiter entwickelten und etablierten. Ein Hauptproblem dabei war eben auch, dass sich Kodak als Papier und Chemie-Fotografie-Unternehmen sah, nicht als Hersteller technischer Geräte wie der Digicam.

Blackberry sah sich selbst als Telefonhersteller im klassischen Sinne und die Smartphones wie das erste iPhone als Spielerei und nicht als ernsthafte Konkurrenz. Sie hatten Apple als Konkurrenten einfach nicht auf dem Schirm.

Xerox hat über die ersten Flachbett-Scanner gelacht. Aber nicht im Entferntesten daran gedacht, dass ihr nächster ernsthafter Konkurrent aus der digitalen Ecke kommen würde. Aber Sie wurden eines besseren belehrt und heute sind Scanner teilweise sogar als App verfügbar.

Als Napster begann die Musikbranche auszurollen, zeigte sich die Musikbranche zunächst wenig beeindruckt. Erst als die MP3 Entwicklung die Musikqualität deutlich verbesserte und spätestens als Apple iTunes entwickelte, dämmerte den Musik-Giganten, dass der nächste Gegner ein Technikunternehmen und nicht ein anderes Musiklabel sein könnte.

Genau hier liegt immer noch das Problem. Welche der Maßnahmen im ersten Teil des Artikels (Webseite, Social Media, CRM System) hätte Kodak, Xerox oder die Musikindustrie gerettet? Genau, keine.

Wenn ich heute einen Bau-Unternehmer frage, wo er die nächste große Bedrohung für sein Unternehmen sieht, dann sagt er so etwas wie: „Billigarbeiter aus Ost-Europa“ oder „Preiskampf mit der Konkurrenz.“ Auf die Idee, es könnte auch ein gigantischer 3D-Drucker sein, der künftig ganze Häuser ausdrucken wird, oder ein Roboter wie SAM, welcher Ziegel viermal so schnell aufeinander schichten kann, wie ein menschlicher Maurer, auf diese Idee kommt er erst gar nicht. Genau, weil er sich mit diesen Schlüssel-Technologien(3D Druck, Robotik) außerhalb seiner Branche überhaupt nicht beschäftigt. (Beide o.g. Beispiel und viele weitere, aktuelle Videos finden sich in der KeyTec-Playlist meines Youtube-Kanales)

Darum Schritt 3: Informieren Sie sich! Heutzutage ist es existentiell notwendig, über die Vorgänge auch in branchenfremden Technologien gut informiert zu sein.  Die nächste disruptive Entwicklung kommt möglichweise aus einer ganz anderen Branche als der eigenen. Wie Anfangs schon erwähnt, ist die Strategie „vom Allgemeinen zum Speziellen“ gerade im Umfeld des digitalen Wandels wichtig. Niemand will sein Unternehmen an eine neue, disruptive Technologie verlieren, während im eigenen Haus nur an der neuen Facebook-Seite oder einer Cloud-Lösung gearbeitet wird.

Mehr zu den aktuellen Entwicklungen in den Schlüssel-Technologien gibt es im oben verlinkten Youtube-Channel und in der offenen Facebook-Gruppe „Die Futuristen – Community (deutsch)“

Digitalisierung – Wie sicher ist meine berufliche Zukunft?

Die Diskussion über die Reichweite, die Geschwindigkeit und die Folgen der Digitalisierung ist momentan allgegenwärtig. Unstrittig dürfte dabei sein: Die Digitalisierung ist im vollen Gange, sie ist schnell und sie wird unser aller Leben umkrempeln.

Im Folgenden sehen wir uns einige Parameter an, anhand derer sich die eigene berufliche Zukunft und die Dringlichkeit erforderlicher Anpassungen besser einschätzen lassen. Je nach Ausbildungsstand und der Position in der Work-World ergeben sich natürlich verschiedene Dringlichkeiten und unterschiedliche Optionen. Beginnen wir mit dem Offensichtlichen.

Dringender Handlungsbedarf besteht für so gut wie jeden Erwerbstätigen, der momentan einer körperlichen Routinearbeit nachgeht. In diese Tätigkeiten sind Menschen leicht von Maschinen und Robotern zu ersetzen. Viele dieser Maschinen und Roboter gibt es aktuell schon, sie sind bereits im Einsatz und sie werden immer besser und billiger. Aktuell rechnet sich eine Roboter-Arbeitsstunde mit ca. 4.- €/ Std.

Wer also zum Beispiel Maurer ist, oder darüber nachdenkt das Maurerhandwerk zu erlernen, sollte sich vorher ein Video von SAM auf Youtube ansehen. SAM zieht Mauern hoch, dreimal so schnell wie ein menschlicher Maurer. Analog das Gleiche gilt für andere körperliche Routinearbeiten wie Lageristen, oder Arbeiter im Straßenbau, aber auch einfache Bürotätigkeiten, wie z.B. Belegerfassung.

Wer in ein paar Jahren in Rente geht, muss sich hier vermutlich keine Sorgen machen, aber wer noch länger als 10 Jahre beruflich aktiv sein will, sollte über alternative Möglichkeiten nachdenken und rechtzeitig reagieren.
Ganz offiziell und ein bisschen differenzierter ist diese Aufstellung, die einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit auf Grundlage seines jährlichen Job-Reports und den Daten der US-Behörde für Arbeitsstatistik folgt:
Die Top 10 der der Berufe, die zeitnah aussterben werden. Konkret heißt es: Rund 4,4 Millionen Jobs könnten schon jetzt durch Roboter oder Computer ersetzt werden. Vor allem bei Routinearbeiten.

• Finanzbeamte – alles wird digital.
• Versicherungsmakler und Mitarbeiter – geht alles über Internet
• Maschinenführer – z.B. Automotive
• Stewardessen – Flugbegleiter – durch Fusionen weniger Bedarf
• Juweliere und dazugehörige Berufe – Onlinehandel
• Holzfäller, Waldarbeiter – Maschinen
• Klassische Zeitungen – Internet usw.
• Landwirte – Maschinen – Großbetriebe
• Zählerableser – Für Heizungen, Strom etc.
• Postboten

Im Schnitt ca. 20 % weniger Jobs, viele könnten, rein technisch gesehen, heute schon ersetzt werden.
Wer denkt er ist als Programmierer sicher, liegt falsch. Künstliche Intelligenz beherrscht heute schon einfache Programmiersprachen wie HTML oder PHP und erstellt Webseiten auf Zuruf. So das wir als zweiten Problembereich wohl einfache, nichtkörperliche Routinearbeiten definieren können. Ein gut ausgebildeter, hochqualifizierter IT-Profi wird sicherlich auch zukünftig keine Schwierigkeiten bekommen. Ein Webdesigner, der sich nicht weiter entwickelt mit Sicherheit schon.

Der nächste Bereich, in dem garantiert viel passieren wird, ist jede Tätigkeit, welche irgendwie mit „Fahren“ zu tun hat. Autonomes Fahren entwickelt sich sehr schnell, wie in diesem Artikel ausführlich beschrieben. Momentan in aller Munde: Autonom fahrende Taxis. Es gibt schon die ersten Modellversuche, in Deutschland arbeiten Mercedes und Bosch daran und global ist Uber ganz vorne mit dabei. Taxifahrer zu werden ist also keine gute Idee für die Zukunft. Mag sein, dass es noch ein paar Jahre dauert, aber früher oder später fahren die Dinger selbständig. Eher früher als später. Analog dazu entwickeln sich Bereiche wie selbstfahrende LKWs, Busse, Trambahnen, U- und S-Bahnen. Hier noch eine Ausbildung oder Umschulung zu beginnen ist bestimmt keine gute Idee.

Generell lässt sich sagen, dass jede Tätigkeit, die sich von einer der folgenden Schlüssel-Technologien ersetzen lässt, oder stark davon beeinflusst ist, auf den Prüfstand muss.
3D Druck
Nanotechnologie
Künstliche Intelligenz
Space
Robotik
Genetik
Medizin – Biomedizin
Langlebigkeit
eMobilität – autonomes Fahren
Augumented & Virtual Reality
und Kombinationen daraus

Daher ist es wichtig, zu verstehen, wie sich diese Schlüssel-Technologien entwickeln, wie der aktuelle Stand ist und wo es hin geht, wie hier in zugehörigen Artikeln beschrieben. Der digitale Tsunami wird kommen. Er ist schon dabei sich aufzubauen. Ist es also Zeit durchzudrehen und die Zukunft in Frage zu stellen?

Bestimmt nicht. Wie der berühmte deutsche Philosoph Udo Lindenberg sagen würde: „Bloß keine Panik.“ Natürlich machen Veränderungen Angst. Erst Recht, wenn sie schnell und schwer kontrollierbar sind. Trotzdem ist das alles nicht neu. Wirtschaftliche, technikbasierte Umstürze gab es schon immer. Ganz offensichtlich stehen wir wieder an der Schwelle zu einem neuen (sehr lang anhaltenden) Zyklus. Ganz offensichtlich werden Unmengen von Jobs durch Technik und Fortschritt eliminiert. Mag sein, dass es wieder ein bisschen holperig wird, aber in erster Linie deshalb, weil wir denkbar schlecht damit umgehen. Statt die Entwicklung zu verstehen und mit der Welle zu surfen, stellen wir uns dagegen. Interessenverbände, politische Parteien, Gewerkschaften und so weiter wollen erhalten was war.

Panikmache ist also weder sinnvoll, noch nötig. Wir werden nicht unausweichlich in einem Heer von Arbeitslosen ersticken. Natürlich werden die Menschen, welche einfache, körperliche Routinearbeiten ausführen die ersten sein, welche den Wandel zu spüren bekommen. Aber, wenn wir das jetzt schon wissen, warum reagieren wir nicht darauf? Warum werden einfache, körperliche Routinearbeiten weiter in vollem Umfang ausgebildet, als ginge es immer so weiter? Warum werden hier nicht Ausbildungsmöglichkeiten für einfache, aber digitale und zukunftsorientierte Berufsfelder geschaffen?

Nicht jeder muss zukünftig Fachinformatiker für Systemintegration, oder Software-Ingenieur werden. Auch im durchautomatisierten, roboter- und maschinenüberfluteten Arbeitsumfeld wird es immer Tätigkeiten auf unterschiedlichen Ausbildungsebenen geben. Vielleicht erstellt der Lagerarbeiter zukünftig die PowerPoint-Folien seines Chefs, oder ein ehemaliger LKW-Fahrer im Fernverkehr nutzt zukünftig seine Erfahrung im grenzüberschreitenden Transportwesen für die unterstützende Koordination autonom fahrender LKWs.
So haben wir das schon immer gemacht. Wir haben uns angepasst und mit viel Kreativität neue Jobs erschaffen. Inklusive der mindestens ebenso kreativen Job-Titel. Das werden wir auch zukünftig wieder machen.

.


Erstveröffentlichung in der HuffingtonPost am 28.03.2018

Die Euphoriebremser – 8 Hemmnisse der Digitalisierung

Erstveröffentlichung in der HuffingtonPost am 12.03.2018


Um eine vernünftige Einschätzung zukünftiger Entwicklungen treffen zu können, ist es auch notwendig, die Verzögerungen und Bremsen zu sehen. Bei aller Euphorie über die wunderbare digitale Welt der nächsten Generationen, gibt es doch auch Gegenströmungen, die einen verlangsamenden und verzerrenden Einfluss haben.
Als erstes sind hier regulative Mechanismen zu sehen. Die juristischen Hindernisse für eine neue Technologie sind oft größer, als die technischen Herausforderungen.
Alleine im Bereich des autonomen Fahrens ist es gut vorstellbar, dass die Zulassung der ersten echten autonom fahrenden Autos, Taxis zum Beispiel, deutlich länger dauern wird, als ihre Herstellung und Marktreife.
Bei der Entwicklung eines juritischen Unterbaus für herausfordernde Themen wie Genetik oder Robotik wird ebenfalls sicher viel Zeit benötigt, um hier eine passende gangbare Lösung zu finden.
Andere Regulative wie zum Beispiel der Datenschutz werden eine weitere bremsende Wirkung haben. Das wird den digitalen Tsunami nicht aufhalten, aber vermutlich eine Wirkung auf den Verlauf haben.
Alleine die lokalen Bedingungen können sich hier für einzelne Länder ungünstig auswirken. Wenn wir hier in Deutschland unsere Webseiten-Betreiber mit einer Flut von Datenschutzgesetzen überziehen, gefolgt von einer Armee von Abmahnanwälten, die nichts Besseres zu tun haben, als internetbasierten Unternehmen fertig zu machen, dann freut das die Konkurrenz im Rest der Welt, die sich damit nicht rumschlagen müssen.
Es kommt zu Verschiebungen, die den Fortschritt in andere Länder verschiebt. Alleine schon die Einführung der Datenschutzgrundverordnung in 2018 verlangt tausende von Arbeitsstunden von deutschen Unternehmern. Wertvolle Zeit, in der andere Unternehmen weltweit weiter an ihrem Geschäftsmodell arbeiten.
Das soll nun nicht unbedingt bedeuten, dass Regulative generell schlecht sind, aber sie haben eine nicht zu leugnende Wirkung. Obendrauf kommt noch die typisch deutsche (vielleicht auch europäische) Obsession, grundsätzlich notwendige Regelungen heillos zu überziehen.
Das beobachten wir in vielen Bereichen, wie zum Beispiel dem AGG. Niemand widerspricht, dass es hier ein Ungleichgewicht gab, aber die völlig überzogenen Forderungen des AGG machen daraus nun ein Ungetüm, welches mehr neue Probleme schafft, als alte Probleme damit gelöst wurden. Wenn wir hier in Deutschland restriktive Umweltregeln für Unternehmen definieren, welche 500 km weiter in unseren Nachbarländern, nicht gelten, dann verschiebt das Umsätze und Arbeitsplätze dort hin.
Wie gesagt, gut gemeint, aber nicht ohne Nebenwirkung. Ähnliches werden wir auch in den Regulativen beobachten, welche die digitalen Schlüsseltechnologien betreffen. Lokale Bestimmungen, Gesetze und Vorgaben verschieben die Entwicklung und beeinflussen die Geschwindigkeit und Ausbreitung.
Die Arbeit von Lobbyisten und Interessensverbänden ist ein weiterer Punkt der hier Wirkung zeigen wird. Nicht jede Gruppierung steht dem Fortschritt positiv gegenüber, erst Recht nicht, wenn er die eigene Branche betrifft.
Das war gut zu beobachten, als Uber begann der deutsche Taxizunft Konkurrenz zu machen. So sehr ich verstehe, wie bedroht sich die Taxifahrer fühlen, ist es doch ein normaler Vorgang, dass sich Geschäftsfelder verändern.
Nachdem AirBnB den Markt der kurzfristig gemieteten Wohnräume wie Hotels, Ferienwohnungen und sonstige Gästeunterbringungs-Systeme gehörig aufgemischt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis das auch in der Fahrgastbeförderung passieren würde.
Während die Taxifahrer-Vereinigungen um den Bestand ihrer Geschäfte kämpfen, denkt Uber bereits über autonom fahrende Mietwagen nach, in den gar kein Fahrer mehr sitzt. Das wird früher oder später auch kommen, trotzdem werden die rechtlichen Schwierigkeiten für autonomes Fahren generell und der Widerstand der herkömmlichen Taxi-Betreiber auch diese Entwicklung bremsen.
Dieser Mechanismus wird auch in anderen Bereichen wirksam sein und zu lokalen und branchenspezifischen Verschiebungen führen.
Es klingt vielleicht ein bisschen nach Verschwörungstheorie, aber möglicherweise hat die Lobbyarbeit der Erd-Ölindustrie die Entwicklung elektrisch fahrender Autos wirklich behindert. Es ist zumindest vorstellbar. Immerhin geht es hier um Milliarden.
Während eMobilität bisher eher ein Betätigungsfeld für Freizeiterfinder war, ist es plötzlich in aller Munde. Kaum startet Tesla die Produktion, zaubern plötzlich alle großen Autohersteller e-Konzepte aus dem Hut. Interessant oder? Wenn man sich nun ansieht, welche Branchen in welchen Ländern stark sind, lässt sich daraus durchaus ableiten, welche Lobby-Gruppierungen hier wirksam sind.
Kulturelle Unterschiede sind ein weiterer, großer Einflussbereich. Um beispielhaft ein ungewöhnliches (aber sehr lukratives) Geschäftsfeld zu betrachten: In asiatischen Ländern sind nicht menschliche Hilfen für sexuelle Gefälligkeiten weitaus akzeptierter als in unseren Breitengraden.
Die erste Welle von voll funktionsfähigen Sexualpartnern aus der Fabrik wird wohl eher in Asien für Umsatz sorgen, bevor sich hier in Europa ein (Schwarz-)Markt entwickelt. Ein heikles Thema, ich weiß, trotzdem ein gutes Beispiel für kulturelle Unterschiede und deren Auswirkungen.
Diese kulturellen Unterschiede werden aber auch andere Entwicklungen wie Unternehmenskooperationen und globale Außenposten der einzelnen Firmen beeinflussen. Jedes größere Unternehmen beschäftigt eine Abteilung, welche die Differenzen ausräumen soll, die entstehen, wenn Menschen verschiedener Kulturkreise aufeinander treffen. Viele Abläufe lassen sich nicht einfach von Land A nach Land B übertragen und dieser Umstand beeinflusst die Ausbreitung der damit verbundenen Technologien.
Schon seit den drei bzw. vier Direktiven bei „RoboCop“ ist Forderung nach einer festgeschriebenen Ethik für zukünftige Entwicklungen eine weitere, sinnvolle Überlegung.
Wie setzen wir Grenzen für Maschinen, welche diese nicht überschreiten dürfen? Müssen wir alles was machbar ist auch wirklich tun? In Genetik und Medizin beispielsweise?
So nötig diese Diskussion auch ist, was immer wir danach an Regeln für nötig halten, es wird auch hier eine bremsende Wirkung erzeugt, die natürlich nur dort eintritt, wo diese Regeln auch eingehalten werden. Wenn wir uns Entwicklungen, wie globale Vereinbarungen zum Klimaschutz, Waffenhandel oder Walfang ansehen, können wir wohl auch bei den erwähnten Ethikregeln davon ausgehen, dass sich nicht alle daran orientieren werden.
Religiöse Widerstände gehören ebenfalls in diese Gruppe. Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit versuchen Religionen Weiterentwicklung zu stoppen. Vom heliozentrischen Weltbild, über Widerstand gegen Fluggeräte („Der Mensch soll nicht fliegen“), bis hin zur modernen Geburtenkontrolle wurden die Pioniere der Forschung und Entwicklung verfolgt, verbrannt, gebrandmarkt und bekämpft.
Nun mag man in den einzelnen Forschungsgebieten durchaus unterschiedlicher Meinung sein, Tatsache ist, das alles was gemacht werden kann auch irgendwo gemacht werden wird.
Im Kontext dieses Kapitels wollen wir das neutral und emotionslos betrachten und nur die Auswirkung auf die Entwicklung an sich sehen. Auch hier gelten wieder die lokalen Unterschiede, wo immer eine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Gruppierung besonders stark vertreten ist, wird das auch eine Auswirkung auf diverse Bereiche der technischen, digitalen Entwicklung haben.
Nun sollten wir auch noch berücksichtigen, dass manchmal eben auch Moores Law und die zugehörige exponentielle Entwicklung nicht greifen, weil unvorhersehbare Schwierigkeiten aufgetreten sind.
Neue Rohstoffe, die erst produziert werden müssen, Kriege, Handelsembargos, Umwelteinflüsse, Naturkatastrophen usw. Genauso oft, wie die Experten bei der Einschätzung bestimmter Entwicklungen falsch lagen (wie z.B. Watson von IBM bei seiner Einschätzung der benötigten Computer (5) weltweit), lagen sie auch falsch, wenn sie zu schnelle technologische Entwicklungen in manchen Bereichen vorhergesagt haben. Das Hooverboard aus „Zurück in die Zukunft“ gibt es aktuell genauso wenig, wie serienmäßige, fliegende Autos.
Zwar stehen wir aktuell wirklich am Scheidepunkt zwischen linearer und exponentieller Entwicklung, was bedeutet, dass deutlich mehr Vorhersagen jetzt wirklich eintreffen werden, aber eben doch nicht alle.
The human factor “Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.” Einstein soll das einst gesagt haben. Bei all den Betrachtungen zur Zukunft, denen wir uns bisher hingegeben haben, dürfen wir den begrenzenden Faktor nicht vergessen: Der Menschen an sich.
Bisher haben wir es oft ganz gut geschafft, sinnvollen Entwicklungen, die allen Menschen zugutegekommen wären, aus dem Weg zu gehen und weniger intelligente Wege zu gehen. Wir lernen in der Schule die Daten der großen Kriege und ihre Protagonisten, aber wir vermitteln deutlich weniger intensiv die Einsicht, dass Kriege keine gute Idee sind.
Noch weniger setzen wir diese Einsicht dann auch um. Ich möchte hier nicht nur schwarzmalen, die absolute Zahl der Kriegsopfer geht ständig weiter zurück, trotzdem wird diese Tendenz offensichtlich hilfreiche Strategien zu bekämpfen bestehen bleiben.
Es gibt historische eine Fülle von Beispiel dafür, wo segensreiche Entwicklungen unterdrückt wurden. Der bekannte Spruch: „Zuerst ignorieren sie dich. Dann machen sie dich lächerlich. Dann greifen sie dich an und wollen dich verbrennen. Und dann errichten sie dir Denkmäler“ stammt von dem US-Gewerkschafter Nicholas Klein (nicht von Ghandi).
Er hat Recht, auch heute noch. (er sagte das bereits 1918) Aus vielerlei Gründen ist es uns wohl oft wichtiger Bestehendes und Bekanntes zu bewahren und dafür Neues zu unterdrücken.
Als Semmelweis die Ursachen für das tödliche Kindbettfieber bei seinen Kollegen fand und sie anhielt sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren um nicht länger als Überträger der Krankheit zu fungieren, wurde er angegriffen, diffamiert und belächelt. Wir wissen alle, wer hier im Recht war.
Gerade in der Medizin gibt es seitenlang Beispiele für das selbstherrliche Verhalten der jeweils regierenden Medizin-Päpste. Frühmobilisation, Transplantation, minimal invasive Chirurgie usw. usw. Die Liste ist lang. Wer in der Medizin oder Pharmakologie etwas Neues etablieren will braucht nicht nur einen brillanten Geist, sondern auch eine gesunde Psyche um die Phase der Anfeindungen durch zu stehen.
Dabei zieht sich das von Nicholas Klein beschriebene Verhalten durch alle Bereiche unseres Lebens. Als FBI Agent James R. Fitzgerald eine Verhaltensanalyse Einheit (BAU) innerhalb des FBI aufbauen wollte, (unter anderem durch Einführung der forensischen Linguistik) wurde er nicht gerade unterstützt.
Die US Serie „Manhunt: Unabomber“ erzählt die wahre Geschichte seines Kampfes gegen Dummheit, Ignoranz und Kleingeistigkeit bevor ein „Profiler“ zu dem wurde, was wir heute kennen und bewundern.
Der historische Stoff zu Ignoranz und Unterdrückung reicht aus um ein eigenes Buch darüber zu schreiben. In unserem Zusammenhang ist „the human fator“ einfach nur ein weiterer Bremsmechanismus, den wir berücksichtigen sollten.
Einige Entwicklungen in den Schlüssel-Technologien werden vermutlich hiervon gebremst werden. Schwer zu sagen welche genau, aber es ist ziemlich sicher vorherzusagen, dass es passieren wird.
In diesem Beitrag ging es in erster Linie darum, die Auswirkungen bremsender Einflüsse auf die Schlüsseltechnologien zu berücksichtigen.
Allen Bremsen und Einflüssen zum Trotz wird es aber auf jeden Fall eine Weiterentwicklung geben und diese Weiterentwicklung wird immer noch sehr viel schneller sein, als die meisten Menschen heute glauben wollen. Genau hierin steckt natürlich auch die Chance. Mit einer durchdachten Einschätzung der Beschleuniger und der Hemmnisse hat hier jeder eine Chance auf eine großartige Zukunft.

Warum ein suboptimaler Start manchmal der beste Start ist

Erstveröffentlichung in der HuffingtonPost am 04.08.2016


Als ich meine Karriere begann (die ich damals bestimmt nicht „Karriere“ genannt hätte) war ich zuerst ein Hauptschüler ohne besondere Ambitionen und danach ein Handwerker ohne besondere Ambitionen. Mag ja sein, dass erfolgreiche Menschen normalerweise schon sehr früh damit anfangen ihren Weg zu gehen, ich tat es lange nicht. Es dauerte schließlich noch viele Jahre, bis ich doch noch auf die Idee kam, mehr aus meinem Leben zu machen. Nun hatte ich aber zwei Probleme: Ich hatte nicht nur schlechte Startbedingungen, ich war auch verdammt spät dran.
Im Rückblick sehe ich das aber eher als Vorteil. Die klassischen Wege schienen verbaut. Mit 30 Abitur nachmachen und anschließend noch studieren? Eher nicht, ich wäre gefühlt gerade rechtzeitig zur Rente fertig geworden. Also suchte ich mir andere Wege, sehr kreative und unkonventionelle Wege. Diese Vorgehensweisen waren zunächst nicht wirklich frei gewählt, es gab schlicht keine andere Möglichkeit außer der, kreativ zu werden. Aber mit ein bisschen Bauernschläue und ein bisschen Glück ergaben sich nach und nach die ersten Chancen karrieretechnisch vorwärts zu kommen.
Eine bekannte asiatische Weisheit lautet: „Wenn der Schüler bereit ist, dann erscheint der Meister“ und tatsächlich erschienen nach und nach die „Meister“ von denen ich sehr schnell lernte, wie der Hase wirklich läuft. (Erscheinen trifft es hier vielleicht nicht so ganz, manche musste ich auch ganz schön nerven, bevor sie bereit waren, mit mir zu arbeiteten) Von den Besten zu lernen beschleunigte mein Vorankommen ungemein und glich relativ schnell meine Verspätung wieder aus. Heute bin ich glücklich und sehr erfolgreich in dem was ich tue. Im Rückblick bin ich stolz auf mein Underdog-Image, die unkonventionellen Strategien und die verdrehten Wege, die ich gefunden habe und die ich gegangen bin.
Schön und gut, aber was hat das alles mit dir zu tun?
Einige der hellsten Köpfe der Menschheit waren und sind Quereinsteiger oder sind zumindest aus schwierigen Verhältnissen gestartet. Michael Faraday war Sohn eines Schmieds und erlernte zunächst die Buchbinderei, bevor er beschloss sich weiter zu entwickeln. Abraham Lincoln war Farmer, Kaufmannsgehilfe, Landvermesser und Posthalter, bevor er schließlich zu einem der bedeutendsten Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde. Buckminster Fuller wollte nach einem Bankrott und dem Tod seines Kindes Selbstmord begehen, aber besann sich eines Besseren. Er beschloss: „Sein weiteres Leben als Experiment zu verstehen: Er wollte feststellen, was eine einzelne Person dazu beitragen kann, die Welt zum Nutzen der Menschheit zu verändern“ und wurde einer der genialsten Universal-Wissenschaftler seiner Zeit. Das Internet ist voll von Geschichten über Underdogs, die es schließlich doch noch in Angriff genommen haben, ihr Potential zu entwickeln und ein Leben im Lichte ihrer vollen Möglichkeiten zu leben. Von den Karrieren der heutzutage eher bekannten Persönlichkeiten, wie Bill Gates oder Steve Jobs, will ich erst gar nicht anfangen. Wie viel ärmer wäre die Welt, wenn sie alle einfach aufgegeben hätten?
Was ist nun die Kernaussage dabei?
Ganz egal, wo du gerade stehst, oder wie alt du bist. Egal, was du bisher gemacht hast oder wie suboptimal deine Karriere bisher gelaufen ist, du hast noch eine Chance. Es gibt immer neue Wege und Möglichkeiten. Fehler, Rückschläge und miese Startbedingungen können zu Stärken werden. Ich könnte heute keine Vorträge über unkonventionelle Strategien halten, wenn ich eine klassische, geradlinige Karriere gemacht hätte. Ich weiß, dass es dort draußen noch unglaublich viel Potential gibt. Ich habe ein vor einiger Zeit ein Potenzialanalysesystem mitentwickelt und habe dabei so viele brillante Köpfe kennen gelernt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Gemeinschaft deutlich weiter sein könnten, wenn jeder bereit wäre an zu treten und der Welt zu geben, was er bisher zurück hält. In diesem Sinne: Trau dich und fang an.
Auf Huffington:
Als ich meine Karriere begann (die ich damals bestimmt nicht „Karriere“ genannt hätte) war ich zuerst ein Hauptschüler ohne besondere Ambitionen und danach ein Handwerker ohne besondere Ambitionen. Mag ja sein, dass erfolgreiche Menschen normalerweise schon sehr früh damit anfangen ihren Weg zu gehen, ich tat es lange nicht. Es dauerte schließlich noch viele Jahre, bis ich doch noch auf die Idee kam, mehr aus meinem Leben zu machen. Nun hatte ich aber zwei Probleme: Ich hatte nicht nur schlechte Startbedingungen, ich war auch verdammt spät dran.

Im Rückblick sehe ich das aber eher als Vorteil. Die klassischen Wege schienen verbaut. Mit 30 Abitur nachmachen und anschließend noch studieren? Eher nicht, ich wäre gefühlt gerade rechtzeitig zur Rente fertig geworden. Also suchte ich mir andere Wege, sehr kreative und unkonventionelle Wege. Diese Vorgehensweisen waren zunächst nicht wirklich frei gewählt, es gab schlicht keine andere Möglichkeit, außer der, kreativ zu werden. Aber mit ein bisschen Bauernschläue und ein bisschen Glück ergaben sich nach und nach die ersten Chancen karrieretechnisch vorwärts zu kommen.
Eine bekannte asiatische Weisheit lautet:

„Wenn der Schüler bereit ist, dann erscheint der Meister“

und tatsächlich erschienen nach und nach die „Meister“ von denen ich sehr schnell lernte, wie der Hase wirklich läuft. (Erscheinen trifft es hier vielleicht nicht so ganz, manche musste ich auch ganz schön nerven, bevor sie bereit waren, mit mir zu arbeiten) Von den Besten zu lernen beschleunigte mein Vorankommen ungemein und glich relativ schnell meine Verspätung wieder aus. Heute bin ich glücklich und sehr erfolgreich in dem was ich tue. Im Rückblick bin ich stolz auf mein Underdog-Image, die unkonventionellen Strategien und die verdrehten Wege, die ich gefunden habe und die ich gegangen bin.

Schön und gut, aber was hat das alles mit dir zu tun?

Einige der hellsten Köpfe der Menschheit waren und sind Quereinsteiger oder sind zumindest aus schwierigen Verhältnissen gestartet. Michael Faraday war Sohn eines Schmieds und erlernte zunächst die Buchbinderei, bevor er beschloss sich weiter zu entwickeln. Abraham Lincoln war Farmer, Kaufmannsgehilfe, Landvermesser und Posthalter, bevor er schließlich zu einem der bedeutendsten Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde. Buckminster Fuller wollte nach einem Bankrott und dem Tod seines Kindes Selbstmord begehen, aber er besann sich eines Besseren. Er beschloss:

„Sein weiteres Leben als Experiment zu verstehen: Er wollte feststellen, was eine einzelne Person dazu beitragen kann, die Welt zum Nutzen der Menschheit zu verändern“

und wurde einer der genialsten Universal-Wissenschaftler seiner Zeit. Das Internet ist voll von Geschichten über Underdogs, die es schließlich doch noch in Angriff genommen haben, ihr Potential zu entwickeln und ein Leben im Lichte ihrer vollen Möglichkeiten zu leben. Von den Karrieren der heutzutage eher bekannten Persönlichkeiten, wie Bill Gates oder Steve Jobs, will ich erst gar nicht anfangen. Wie viel ärmer wäre die Welt, wenn sie alle einfach aufgegeben hätten?

Was ist nun die Kernaussage dabei?

Ganz egal, wo du gerade stehst, oder wie alt du bist. Egal, was du bisher gemacht hast oder wie suboptimal deine Karriere bisher gelaufen ist, du hast noch viele Möglichkeiten. Es gibt immer neue Wege und Möglichkeiten. Fehler, Rückschläge und miese Startbedingungen können zu Stärken werden. Ich könnte heute keine Vorträge über unkonventionelle Strategien halten, wenn ich eine klassische, geradlinige Karriere gemacht hätte. Ich weiß, dass es dort draußen noch unglaublich viel Potential gibt. Ich habe ein vor einiger Zeit ein Potenzialanalysesystem mitentwickelt und habe dabei so viele brillante Köpfe kennen gelernt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Gemeinschaft deutlich weiter sein könnten, wenn jeder bereit wäre anzutreten und der Welt zu geben, was er bisher zurück hält. In diesem Sinne: Trau dich und fang an – Du hast etwas zu bieten, das die Welt braucht