Musik beim Schreiben? oder besser nicht? – 18.07.2021

Das ist natürlich eine subjektive Geschichte. Für mich ganz klar: Musik an. Am Besten noch mit Kopfhörern.

Kopfhörer helfen mir umzuschalten. Von Alltag und To-Do-Listen in den Schreibmodus. Zusätzlich blenden sie alles andere aus, was sich um dich herum tut. Mitbewohner, Lärm von draußen, usw. Meine Kopfhörer haben zusätzlich eine „Noice Cancelling“ Funktion. Das bedeutet, Außengeräusche werden auch ausgeblendet, wenn die Musik gerade leise ist, oder eine Pause macht, sehr hilfreich.

Bei der Musik selbst liegt es natürlich am eigenen Musikgeschmack. Ich höre gerne Playlists oder Genre-Sender, beides auf Amazon Prime Musik. Oft auch Playlists mit rein instrumentaler Musik, da lenkt kein gesungener Text ab. Auch gut: Hintergrundgeräusche, wie Regen, oder Restaurantgeräusche. Google das mal, es gibt jede Menge Anbieter dafür.

In meiner Welt funktioniert das mit Musik besser. Ich bin kreativer, konzentrierter. Das muss nicht für jede(n) stimmen. Probier es einfach mal aus. Eine ganze Menge Studien weiß darauf hin, dass die alte Legende, Hintergrundgeräusche würden ablenken, einer Überprüfung nicht standhält.

Geschichten ändern sich – 13.07.2021

Bisher, wenn ich von anderen Autoren gelesen hatte, wie sich ihre Figuren entwickeln und sich die Geschichte verändert, während sie daran schreiben, dachte ich mir immer: „Was für ein Schwachsinn. Ich weiß doch vorher, wo es lang gehen soll, was ich schreiben will, was der Plot ist.“

Möglichweise, hat das damit zu tun, dass ich bisher eher Sachbücher geschrieben habe, hier ist ja von Anfang an klar, wo es lang gehen soll.

Seit ich selbst zum Roman gewechselt habe, kann ich das nur bestätigen. Es ist erstaunlich. Oft steht nach einer Schreib-Session etwas völlig anderes da, als ursprünglich geplant. Erstaunliche Wendungen, neu auftauchende Figuren, Charakterveränderungen bei den Figuren. Als würde die Geschichte ein Eigenleben entwickeln.

Ich bin gespannt, wie das weiter geht. Zulassen ist hier vermutlich die richtige Haltung. Oder, wie schon die alten Asiaten immer sagten: ES sich entwickeln lassen.

Kreativ ist selten perfekt – 10.07.2021

Wenn ich schreibe, dann schreibe ich einfach drauf los. Ich lese kurz was ich bisher geschrieben habe, die letzten Zeilen des vorherigen Kapitels zum Beispiel, dann lege ich los. Schreiben ist vor allem eine handwerkliche Kunst. Es hilft wenig, auf Erleuchtungen und Inspirationen zu warten. Wenn du ein Buch schreiben willst, ist die wichtigste Tätigkeit schlicht und ergreifend schreiben.

Manchmal schreibe zuerst eine Notiz, was im folgenden Kapitel passieren soll, so ungefähr. Wenn mir der Schreibfluss noch fehlt, hilft das dabei einfach mal loszulegen und zu schreiben. Während meiner Randnotizen fallen mir dann schon die ersten Sätze ein, die ersten Dialoge und ich kann anfangen den eigentlichen Text zu schreiben.

Dabei achte ich wenig bis gar nicht auf Rechtschreibung und Grammatik. Um es umgangssprachlich zu sagen: Ich rotz das erstmal so hin. Papyrus hilft dabei, dass Rechtschreibung und Grammatik einigermaßen gewahrt bleiben. Überarbeitet wird später, wenn der kreative Fluss nachlässt, wenn es zäh wird. Dann wechsle ich in den Korrekturmodus. Dafür brauche ich wenig mentale Energie und kann so noch ein bisschen weiter an meinem Werk arbeiten.


Diese Vorgehensweise funktioniert übrigens nicht nur beim Schreiben. Wenn ich zu Beginn meine Notizen schreib, dann folgt das der Idee, Hauptsache überhaupt anzufangen. Hinsetzen, schreiben, und wenn es nur ein paar Randnotizen sind. Das gleiche Prinzip könnte man auch zum Haus-Aufräumen verwenden. Nimm die ersten beiden Dinge, die im Weg sind und räum sie weg. Fang mit zwei Teilen an, dann noch eines… usw. Wenn du erstmal angefangen hast, ist es viel leichter weiter zu machen. Zwei Dinge weg zu räumen ist einfacher, als „jetzt mal den Dachspeicher anzupacken.“

RE-LAUNCH

Nach einer längeren Pause, arbeite ich wieder an einem neuen Buch-Projekt. Parallel möchte ich auch den Blog wieder neu beleben. Also schreibe ich hier zukünftig wieder mehr über alle Neuigkeiten zu schreiben und reden.  


Momentan sitze ich also mit einer Dose Becks und Stevie Nicks auf den Boxen vorm Rechner. Auf der Webseite gibt es jetzt „Status: Fuck You“ auch als Vortrag. Das Buch gibt es ja schon länger, nun also auch als Vortrag. 


Für mein neues Buchprojekt reize ich gerade die Möglichkeiten von „Papyrus“ deutlich weiter aus als zuvor. Nachdem ich bisher (fast nur) Sachbücher geschrieben habe, bringt die Idee das Sachbuch in einem Roman zu verstecken, völlig neue Herausforderungen mit sich.


Figurenentwicklung zum Beispiel. Während bei J.P. Steel der Protagonist ziemlich eindimensional war (eine Version von: Wie ich gerne wäre, wenn ich könnte), sollen die Figuren in meinem neuen Werk lebendiger, unterschiedlicher, vielschichtiger und interessanter werden. Ein spannender Prozess, sich in so viele verschiedene Charakteure reinzudenken und einzufühlen, ohne dabei schizophren zu werden 🙂 

„Die drei größten Fehler bei unserem Umgang mit der Digitalisierung“

Erstveröffentlichung auf LinkedIn


„Digitalisierung“ ist das Schlagwort unserer Zeit. Aber in der hitzigen Detaildiskussion von Datenschutz, über Soziale Medien bis hin zu steigenden Roboterarbeitsplätzen sind ein paar grundlegende Probleme auf der Strecke geblieben.


Fehler Nummer Eins: Wir unterschätzen dramatisch die Geschwindigkeit

Wir sind nicht wirklich gut darin, exponentielle Entwicklungen einzuschätzen. Bei meinen Vorträgen liegen selbst ausgewiesene Fachleute regelmäßig weit daneben, wenn es darum geht eine Entwicklung hochzurechnen, die sich bei jedem Entwicklungsschritt verdoppelt. Wir sind es gewohnt linear und analog zu denken und zu schätzen.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie betreuen einen Dorfweiher mittlerer Größe, sagen wir ungefähr 100 x 50 m groß. Rundum bewachsen, idyllisch gelegen. Ein Traum. Dummerweise wird Ihr Weiher nun von Algen befallen. Diese Algen teilen und verdoppeln sich alle 7 Tage. Anfangs s

ehen Sie gar nichts, dann ein bisschen im Uferbewuchs. Sie beobachten die Geschichte. Ihr Algenbewuchs wird schlimmer und nimmt schließlich stark zu. Nach 20 Wochen ist ca. ¼ des Dorfweihers betroffen.

Preisfrage: Wie viel Zeit bleibt Ihnen noch, bevor der Weiher komplett zu ist? Das sollte leicht zu rechnen sein oder? Bei einer Verdoppelung alle 7 Tage, ist nach einer Woche der halbe Weiher zu und nach 2 Wochen der komplette Weiher. Sind Sie darauf gekommen? Der überwiegende Teil der Bevölkerung rechnet (speziell hinsichtlich der ähnlichen Effekte der Digitalisierung) etwas so: Es hat 20 Wochen gedauert, um den Weiher zu ¼ mit Algen zu bedecken. Es sind also noch ¾ offen. Das wird noch dauern, ich muss mich langsam kümmern, aber es eilt nicht besonders.

Angenommen, Sie reagieren sofort und entfernen mit einigem Aufwand und vielen Helfern die Hälfte des Befalls. Wie viel Zeit haben Sie nun, bevor der Weiher wieder komplett zugewachsen ist? Dieses Mal sind es drei Wochen. Sie haben nur eine Woche gewonnen. Sie verstehen die Dringlichkeit? Dasselbe gilt für die Digitalisierung. Das alles wird kommen, (so sicher und so schnell wie die Algen), aber sehr viel brachialer, als es sich die meisten vorstellen können und wollen.

Fehler Nummer Zwei: Wir hoffen uns zurück, in die Zeit, als alles besser war

Veränderung macht Angst. Das ist verständlich, wir sind nicht darauf ausgelegt, ständig zu reagieren und uns immer wieder neu anzupassen. Die Mehrzahl tut es, wenn überhaupt nur langsam und widerwillig. Das erklärt auch den Trend, sich nach der „guten alten Zeit“ zurückzusehnen. Je nach politischer Ausprägung in die 80er, 90er Jahre (als ein Arbeiter noch eine Familie ernähren konnte), in die frühen Jahre des Wirtschaftswunders, oder noch früher, als ein Diktator alles im Griff zu haben schien.

Dummerweise gibt es diesen Weg zurück gar nicht. Er ist schlicht nicht existent. Die Beschleunigung der Welt ist ja nicht nur ein Effekt der Digitalisierung. Die ersten Autos fuhren wortwörtlich langsamer, ca. 5 h/km. Dann 50, dann 100, 200. Technisierung und Industrialisierung haben schon immer die Welt nicht nur verändert, sondern auch beschleunigt. Sich zurückzuwünschen in eine Zeit, als der Weiher noch keine Algen hatte, ist zwar verständlich, löst aber nicht das Problem. (Ebenso wenig wie eine Mauer um den Teich zu ziehen)

Veränderung macht Angst und erfordert Anpassung. Alte Modelle und Lösungen heraus zu kramen und irgendwie passend zu klopfen ist eben einfacher, als kreativ und innovativ zu werden. Die Kunst dabei ist ja gar nicht, für alles und jedes eine Lösung bereit zu haben. Die One4all Lösung beginnt damit grundsätzlich anzuerkennen, dass wir in einer instabilen, sich schnell verändernden Welt leben werden. Wir können uns die Vergangenheit nicht zurückholen, wir können höchstens eine großartige neue Welt mitgestalten und verstehen, dass wir im weiteren Verlauf unsere bestehenden Systeme immer wieder neu anpassen müssen. Es ist der Wechsel von Statik zu Dynamik in sehr vielen Bereichen.

Fehler Nummer Drei: Wir denken, es gibt nur eine große, umfassende Veränderung

Wir haben diese Idee, dass mit der Digitalisierung eine einzige Veränderung kommt. So ungefähr 2025 haben eben Taxifahrer und LKW-Fahrer keinen Job mehr (wegen autonom fahrenden eAutos) und einige andere wie Fließbandarbeiter, Straßenbauer und Maurer auch nicht mehr (wegen Robotik und Automatisierung). Dann müssen die eben umgeschult, wieder ins System gebracht werden und dann ist alles gut. Das stimmt aber so nicht, weil einige Jahre später (sagen wir mal 2035) der nächste große Umbruch kommt, zu etwas, dass wir uns noch gar nicht vorstellen können und 2045 wieder und 2055 ebenfalls. Noch viel gewaltiger als jeweils alle anderen Umbrüche zuvor ….

Die wichtigste Fähigkeit, die wir lernen und lehren müssen ist Re-Invention, die Fähigkeit sich selbst alle paar Jahre neu zu erfinden. Wer heute Taxi, Bus oder LKW fährt wird vielleicht Personal Trainer (weil Sport schon immer seins war und die Nachfrage steigt), aber weitere 5-10 Jahre später, gibt es Software, welche die Trainingsanleitungen besser gibt als jeder Mensch. Die Bewegungen analysieren und verbessern kann, die Muskelkontraktion messen und direktes Feedback geben kann. Unser Ex-Taxifahrer, jetzt Personal Trainer, hat wieder keinen Job mehr und muss sich erneut neu erfinden.

Das Beispiel gilt aber auch für viele andere Menschen, aller Bildungsebenen. Ein Jurist für Vertragsrecht wird die nächsten Jahre einfach von Smart Contracts und Blockchain-Technologien überrollt, danach spezialisiert er sich vielleicht auf ein anderes Rechtsgebiet, internationales Devisenrecht zum Beispiel. Als innerhalb der nächsten 10 Jahre alle Nationen nach und nach auf Kryptowährungen umstellen, muss auch er sich erneut anpassen und wechselt vielleicht komplett die Branche.

Die wichtigste Fähigkeit, die praktisch jeder zukünftig entwickeln muss, die wir auch an den Schulen und Universitäten unterrichten sollten, ist die Fähigkeit zum Andauernden sich selbst neu erfinden. Das ist nicht dasselbe, wie „lebenslanges Lernen.“ Sich in seinem Beruf und seiner Branche immer weiter zu entwickeln ist lebenslanges Lernen, einen völlig neuen Beruf bzw. eine neue Branche zu wählen (oder sogar zu initieren) ist etwas ganz anderes. Re-Invention ist das Zauberwort. Zukünftig muss sich so gut wie jeder Mensch mehr als nur einmal im Leben überlegen, „was er werden bzw. sein will.“