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Digitalisierung – Wie sicher ist meine berufliche Zukunft?

Die Diskussion über die Reichweite, die Geschwindigkeit und die Folgen der Digitalisierung ist momentan allgegenwärtig. Unstrittig dürfte dabei sein: Die Digitalisierung ist im vollen Gange, sie ist schnell und sie wird unser aller Leben umkrempeln.

Im Folgenden sehen wir uns einige Parameter an, anhand derer sich die eigene berufliche Zukunft und die Dringlichkeit erforderlicher Anpassungen besser einschätzen lassen. Je nach Ausbildungsstand und der Position in der Work-World ergeben sich natürlich verschiedene Dringlichkeiten und unterschiedliche Optionen. Beginnen wir mit dem Offensichtlichen.

Dringender Handlungsbedarf besteht für so gut wie jeden Erwerbstätigen, der momentan einer körperlichen Routinearbeit nachgeht. In diese Tätigkeiten sind Menschen leicht von Maschinen und Robotern zu ersetzen. Viele dieser Maschinen und Roboter gibt es aktuell schon, sie sind bereits im Einsatz und sie werden immer besser und billiger. Aktuell rechnet sich eine Roboter-Arbeitsstunde mit ca. 4.- €/ Std.

Wer also zum Beispiel Maurer ist, oder darüber nachdenkt das Maurerhandwerk zu erlernen, sollte sich vorher ein Video von SAM auf Youtube ansehen. SAM zieht Mauern hoch, dreimal so schnell wie ein menschlicher Maurer. Analog das Gleiche gilt für andere körperliche Routinearbeiten wie Lageristen, oder Arbeiter im Straßenbau, aber auch einfache Bürotätigkeiten, wie z.B. Belegerfassung.

Wer in ein paar Jahren in Rente geht, muss sich hier vermutlich keine Sorgen machen, aber wer noch länger als 10 Jahre beruflich aktiv sein will, sollte über alternative Möglichkeiten nachdenken und rechtzeitig reagieren.
Ganz offiziell und ein bisschen differenzierter ist diese Aufstellung, die einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit auf Grundlage seines jährlichen Job-Reports und den Daten der US-Behörde für Arbeitsstatistik folgt:
Die Top 10 der der Berufe, die zeitnah aussterben werden. Konkret heißt es: Rund 4,4 Millionen Jobs könnten schon jetzt durch Roboter oder Computer ersetzt werden. Vor allem bei Routinearbeiten.

• Finanzbeamte – alles wird digital.
• Versicherungsmakler und Mitarbeiter – geht alles über Internet
• Maschinenführer – z.B. Automotive
• Stewardessen – Flugbegleiter – durch Fusionen weniger Bedarf
• Juweliere und dazugehörige Berufe – Onlinehandel
• Holzfäller, Waldarbeiter – Maschinen
• Klassische Zeitungen – Internet usw.
• Landwirte – Maschinen – Großbetriebe
• Zählerableser – Für Heizungen, Strom etc.
• Postboten

Im Schnitt ca. 20 % weniger Jobs, viele könnten, rein technisch gesehen, heute schon ersetzt werden.
Wer denkt er ist als Programmierer sicher, liegt falsch. Künstliche Intelligenz beherrscht heute schon einfache Programmiersprachen wie HTML oder PHP und erstellt Webseiten auf Zuruf. So das wir als zweiten Problembereich wohl einfache, nichtkörperliche Routinearbeiten definieren können. Ein gut ausgebildeter, hochqualifizierter IT-Profi wird sicherlich auch zukünftig keine Schwierigkeiten bekommen. Ein Webdesigner, der sich nicht weiter entwickelt mit Sicherheit schon.

Der nächste Bereich, in dem garantiert viel passieren wird, ist jede Tätigkeit, welche irgendwie mit „Fahren“ zu tun hat. Autonomes Fahren entwickelt sich sehr schnell, wie in diesem Artikel ausführlich beschrieben. Momentan in aller Munde: Autonom fahrende Taxis. Es gibt schon die ersten Modellversuche, in Deutschland arbeiten Mercedes und Bosch daran und global ist Uber ganz vorne mit dabei. Taxifahrer zu werden ist also keine gute Idee für die Zukunft. Mag sein, dass es noch ein paar Jahre dauert, aber früher oder später fahren die Dinger selbständig. Eher früher als später. Analog dazu entwickeln sich Bereiche wie selbstfahrende LKWs, Busse, Trambahnen, U- und S-Bahnen. Hier noch eine Ausbildung oder Umschulung zu beginnen ist bestimmt keine gute Idee.

Generell lässt sich sagen, dass jede Tätigkeit, die sich von einer der folgenden Schlüssel-Technologien ersetzen lässt, oder stark davon beeinflusst ist, auf den Prüfstand muss.
3D Druck
Nanotechnologie
Künstliche Intelligenz
Space
Robotik
Genetik
Medizin – Biomedizin
Langlebigkeit
eMobilität – autonomes Fahren
Augumented & Virtual Reality
und Kombinationen daraus

Daher ist es wichtig, zu verstehen, wie sich diese Schlüssel-Technologien entwickeln, wie der aktuelle Stand ist und wo es hin geht, wie hier in zugehörigen Artikeln beschrieben. Der digitale Tsunami wird kommen. Er ist schon dabei sich aufzubauen. Ist es also Zeit durchzudrehen und die Zukunft in Frage zu stellen?

Bestimmt nicht. Wie der berühmte deutsche Philosoph Udo Lindenberg sagen würde: „Bloß keine Panik.“ Natürlich machen Veränderungen Angst. Erst Recht, wenn sie schnell und schwer kontrollierbar sind. Trotzdem ist das alles nicht neu. Wirtschaftliche, technikbasierte Umstürze gab es schon immer. Ganz offensichtlich stehen wir wieder an der Schwelle zu einem neuen (sehr lang anhaltenden) Zyklus. Ganz offensichtlich werden Unmengen von Jobs durch Technik und Fortschritt eliminiert. Mag sein, dass es wieder ein bisschen holperig wird, aber in erster Linie deshalb, weil wir denkbar schlecht damit umgehen. Statt die Entwicklung zu verstehen und mit der Welle zu surfen, stellen wir uns dagegen. Interessenverbände, politische Parteien, Gewerkschaften und so weiter wollen erhalten was war.

Panikmache ist also weder sinnvoll, noch nötig. Wir werden nicht unausweichlich in einem Heer von Arbeitslosen ersticken. Natürlich werden die Menschen, welche einfache, körperliche Routinearbeiten ausführen die ersten sein, welche den Wandel zu spüren bekommen. Aber, wenn wir das jetzt schon wissen, warum reagieren wir nicht darauf? Warum werden einfache, körperliche Routinearbeiten weiter in vollem Umfang ausgebildet, als ginge es immer so weiter? Warum werden hier nicht Ausbildungsmöglichkeiten für einfache, aber digitale und zukunftsorientierte Berufsfelder geschaffen?

Nicht jeder muss zukünftig Fachinformatiker für Systemintegration, oder Software-Ingenieur werden. Auch im durchautomatisierten, roboter- und maschinenüberfluteten Arbeitsumfeld wird es immer Tätigkeiten auf unterschiedlichen Ausbildungsebenen geben. Vielleicht erstellt der Lagerarbeiter zukünftig die PowerPoint-Folien seines Chefs, oder ein ehemaliger LKW-Fahrer im Fernverkehr nutzt zukünftig seine Erfahrung im grenzüberschreitenden Transportwesen für die unterstützende Koordination autonom fahrender LKWs.
So haben wir das schon immer gemacht. Wir haben uns angepasst und mit viel Kreativität neue Jobs erschaffen. Inklusive der mindestens ebenso kreativen Job-Titel. Das werden wir auch zukünftig wieder machen.

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Erstveröffentlichung in der HuffingtonPost am 28.03.2018

„Wer wir sind und warum wir tun, was wir tun“

„Wir möchten gerne einen vernünftigen Einstieg finden, in diese Digitalisierung, von der jetzt alle reden“ Mit diesem, oder einem ähnlichen, Satz beginnen viele meiner Erstgespräche. Was nicht so ganz zutrifft, meistens wurde schon „eingestiegen“. Das ist aber auch der Mentalität meiner Zielgruppe geschuldet. Hier wird gerne angepackt und selbst gemacht.  Was ja grundsätzlich erstmal gut ist, vor allem das Anpacken.

Meine Digitalisierungs-Beratungen finden im Wesentlichen in zwei Bereichen statt:

  • KMU (kleine, mittlere Unternehmen), also der Mittelstand
  • und Kommunen, kleine/ mittelgroße Städte, Gemeinden etc.

Die Situation ist in beiden Bereichen oft ähnlich. Ein paar Dinge wurden schon gemacht. Die IT hat sich ein bisschen was einfallen lassen. Der Chef hatte auch schon ein paar Ideen. Ein paar weitere angedachte „Projekte“ hat man gegoogelt, oder bei anderen, vergleichbaren Unternehmen oder Institutionen abgeschaut. Soweit, so gut.

In der oben beschriebenen Situation ist der Wunsch nach Orientierung und Struktur verständlich. Was fehlt ist ein Gesamtkonzept, ein Meta-Konstrukt, welches allen zukünftigen Maßnahmen einen Rahmen und einen Überbau gibt. Genau das soll ich dann liefern. Ein möglichst kampferprobtes, leicht verständliches und leicht umsetzbares Strategiekonstrukt, möglichst im PDF-Format, oder PowerPoint. Okay, das war ein bisschen überspitzt dargestellt, aber die Grundidee meiner Gesprächspartner geht schon in diese Richtung. Meine Antwort ist immer dieselbe: Tut mir leid, so läuft das nicht!

Was ist also zu tun? Die offensichtlichen Punkte zuerst:

  • Betroffene Bereiche identifizieren und priorisieren

Marketing, IT, Vertrieb, Management, Support, Buchhaltung, HR, Verwaltung usw.

  • Themen definieren:

iCloud, CRM, Mailsystem, Cybercrime, DSGVO, Webseite, Mobile, Apps, Warenwirtschaftssysteme, Verwaltungssysteme, Back-Up, Funnels, Abläufe und Prozesse, gesetzliche Vorgaben…

Das sind wichtige Punkte, die berücksichtigt werden müssen. Nicht alle Punkte, aber ein paar wichtige. Nun soll jemand, das ganze steuern. In Betrieben gibt es dafür jetzt einen neuen Job-Title: CDO – Chief Digital Officer. Der Dirigent, der das Orchester der Maßnahmen gefühlvoll und kompetent anleitet, um das Digitalisierungs-Konzert zum Erfolg zu machen. Wer keinen hat, oder sich keinen leisten kann/ will, der holt sich einen externen CDO/ Berater, also mich.

Aaaber, bei diesen ganzen Aufzählungen fehlt noch ein entscheidender Punkt: Die Menschen. Alle, die davon irgendwie betroffen sind: Mitarbeiter, Kunden, Dienstleister, Partner, Bürger, Kollegen, Untergebene, Vorgesetzte, Führungskräfte… usw. Wenn die Menschen nicht mitspielen und sich gegen die Maßnahmen stellen, wird der gesamte Prozess schief gehen. Ich für meinen Teil löse dieses Problem mit einem einzigen Wort (cool, oder?): IDENTITÄT.

Zu Beginn muss festgelegt werden, wofür das Unternehmen, die Gemeinde, die Stadt steht. Sobald das einmal definiert ist, hängen alle folgenden Entscheidungen direkt davon ab. Sehen Sie sich als „grün“? Dann werden Sie vermutlich CO2-Neutralität oder ähnliche Themen mit aufnehmen. Sind Sie „menschenorientiert“? Dann werden Sie Ihre Prozesse mit digitalen Mitteln darauf zu schneiden. Sind Sie #Fridaysforfuture Fan? Dann stellen Sie vielleicht Ihre Fahrzeugflotte auf eMobilität und installieren eine Solaranlage. Definieren Sie sich als „zukunftsorientiert und modern“? Dann werden Sie andere Entscheidungen treffen und andere Tools implementieren, als jemand, der sich als „traditionell und bodenständig“ sieht. Die Menge der Möglichkeiten dieser digitalen Anwendungen geht ins Unendliche. Ihre Auswahl, Ihr Filter für diese unglaubliche Menge an Optionen braucht eine Basis. Identität.

Im Unternehmensbereich gibt es dafür viele Beispiele, in denen solche Identitäten in Form von CI (Corporate Identity) oder einem Wertesystem geschaffen werden sollen. Mit einem klitzekleinen Nachteil, sie sind sehr oft Fake. Die CI wurde dann in einem Arbeitskreis der Führungskräfte (mit einem externen, teuren Berater) am grünen Tisch erarbeitet und hängt nun in der Eingangshalle (und irgendwo auf der Webseite). Vier Wochen später nimmt niemand mehr bewusst das Schild in der Eingangshalle wahr, die Mitarbeiter haben das immer schon lächerlich gefunden und auch die Initiatoren der ganzen Aktion vergessen im Alltagsgeschäft was damals erarbeitet wurde. „Wofür stehen wir gleich wieder?“ Qualität? Service? Humanity? „Hatten wir das nicht wieder gestrichen?“ – „Ich schau mal eben auf die Webseite“ Bisschen überspitzt? Schon wieder? Ja, vielleicht. Machen wir den Realitätscheck.

Bei so gut wie allen Klienten, fällt früher oder später dieser Satz: „Wir sind hier alle eine große Familie“ – Ach, wirklich? Was passiert denn, wenn es mal nicht so gut läuft? Sie entlassen irgendwann Mitarbeiter, um Kosten zu sparen, um der Entwicklung entgegen zu wirken, stimmt’s? Wer muss denn dann zuerst gehen? Diejenigen, die zuletzt dazu gekommen sind richtig? Machen Sie das in Ihrer Familie auch so? Wenn das Haushaltsbudget knapp wird, dann muss der gehen, der zuletzt gekommen ist, das Baby.

Das ist kein flapsiges Beispiel, ich meine das völlig ernst. Wenn Sie „Wir sind eine Familie“ da drauf schreiben, dann müssen Sie das auch konsequent durchziehen, oder es ist eben nichts wert und alle wissen das. Das bedeutet, Sie behalten Ihre Mitarbeiter (ihre „Familie“) auf jeden Fall. Lieber kürzen Sie die Gehälter der Führungsebene und verkaufen die Wiese hinter dem Parkplatz, als dass Sie Ihre „Babys“ wegschicken. …oder Sie schreiben so etwas wie „wir sind alle eine große Familie“ besser nicht auf Ihre Fahnen, wenn Sie beim ersten Gegenwind bereit sind diese Fahnen wegzuwerfen.

So, und jetzt nochmal ernsthaft. Was ist Ihre Identität? Wofür stehen Sie, Ihr Unternehmen, Ihre Stadt, Ihre Gemeinde? Überlegen Sie sich das gut. Davon hängen nicht nur Ihre Entscheidungen und Ihre Maßnahmen-Auswahl im Rahmen der Digitalisierung ab. Sondern zum Beispiel auch, welche Mitarbeiter da reinpassen (und welche vielleicht nicht, oder nicht mehr), welche neuen Mitarbeiter sich angezogen fühlen, wie Sie nach außen wirken usw.

Das wäre dann sozusagen Teil 1 des neuen Gesamt-Konzeptes: „Finden und definieren Sie Ihre Identität“ Ernsthaft, konsequent und nachhaltig. Alles andere wird sich dann daran orientieren.

Die Euphoriebremser – 8 Hemmnisse der Digitalisierung

Erstveröffentlichung in der HuffingtonPost am 12.03.2018


Um eine vernünftige Einschätzung zukünftiger Entwicklungen treffen zu können, ist es auch notwendig, die Verzögerungen und Bremsen zu sehen. Bei aller Euphorie über die wunderbare digitale Welt der nächsten Generationen, gibt es doch auch Gegenströmungen, die einen verlangsamenden und verzerrenden Einfluss haben.
Als erstes sind hier regulative Mechanismen zu sehen. Die juristischen Hindernisse für eine neue Technologie sind oft größer, als die technischen Herausforderungen.
Alleine im Bereich des autonomen Fahrens ist es gut vorstellbar, dass die Zulassung der ersten echten autonom fahrenden Autos, Taxis zum Beispiel, deutlich länger dauern wird, als ihre Herstellung und Marktreife.
Bei der Entwicklung eines juritischen Unterbaus für herausfordernde Themen wie Genetik oder Robotik wird ebenfalls sicher viel Zeit benötigt, um hier eine passende gangbare Lösung zu finden.
Andere Regulative wie zum Beispiel der Datenschutz werden eine weitere bremsende Wirkung haben. Das wird den digitalen Tsunami nicht aufhalten, aber vermutlich eine Wirkung auf den Verlauf haben.
Alleine die lokalen Bedingungen können sich hier für einzelne Länder ungünstig auswirken. Wenn wir hier in Deutschland unsere Webseiten-Betreiber mit einer Flut von Datenschutzgesetzen überziehen, gefolgt von einer Armee von Abmahnanwälten, die nichts Besseres zu tun haben, als internetbasierten Unternehmen fertig zu machen, dann freut das die Konkurrenz im Rest der Welt, die sich damit nicht rumschlagen müssen.
Es kommt zu Verschiebungen, die den Fortschritt in andere Länder verschiebt. Alleine schon die Einführung der Datenschutzgrundverordnung in 2018 verlangt tausende von Arbeitsstunden von deutschen Unternehmern. Wertvolle Zeit, in der andere Unternehmen weltweit weiter an ihrem Geschäftsmodell arbeiten.
Das soll nun nicht unbedingt bedeuten, dass Regulative generell schlecht sind, aber sie haben eine nicht zu leugnende Wirkung. Obendrauf kommt noch die typisch deutsche (vielleicht auch europäische) Obsession, grundsätzlich notwendige Regelungen heillos zu überziehen.
Das beobachten wir in vielen Bereichen, wie zum Beispiel dem AGG. Niemand widerspricht, dass es hier ein Ungleichgewicht gab, aber die völlig überzogenen Forderungen des AGG machen daraus nun ein Ungetüm, welches mehr neue Probleme schafft, als alte Probleme damit gelöst wurden. Wenn wir hier in Deutschland restriktive Umweltregeln für Unternehmen definieren, welche 500 km weiter in unseren Nachbarländern, nicht gelten, dann verschiebt das Umsätze und Arbeitsplätze dort hin.
Wie gesagt, gut gemeint, aber nicht ohne Nebenwirkung. Ähnliches werden wir auch in den Regulativen beobachten, welche die digitalen Schlüsseltechnologien betreffen. Lokale Bestimmungen, Gesetze und Vorgaben verschieben die Entwicklung und beeinflussen die Geschwindigkeit und Ausbreitung.
Die Arbeit von Lobbyisten und Interessensverbänden ist ein weiterer Punkt der hier Wirkung zeigen wird. Nicht jede Gruppierung steht dem Fortschritt positiv gegenüber, erst Recht nicht, wenn er die eigene Branche betrifft.
Das war gut zu beobachten, als Uber begann der deutsche Taxizunft Konkurrenz zu machen. So sehr ich verstehe, wie bedroht sich die Taxifahrer fühlen, ist es doch ein normaler Vorgang, dass sich Geschäftsfelder verändern.
Nachdem AirBnB den Markt der kurzfristig gemieteten Wohnräume wie Hotels, Ferienwohnungen und sonstige Gästeunterbringungs-Systeme gehörig aufgemischt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis das auch in der Fahrgastbeförderung passieren würde.
Während die Taxifahrer-Vereinigungen um den Bestand ihrer Geschäfte kämpfen, denkt Uber bereits über autonom fahrende Mietwagen nach, in den gar kein Fahrer mehr sitzt. Das wird früher oder später auch kommen, trotzdem werden die rechtlichen Schwierigkeiten für autonomes Fahren generell und der Widerstand der herkömmlichen Taxi-Betreiber auch diese Entwicklung bremsen.
Dieser Mechanismus wird auch in anderen Bereichen wirksam sein und zu lokalen und branchenspezifischen Verschiebungen führen.
Es klingt vielleicht ein bisschen nach Verschwörungstheorie, aber möglicherweise hat die Lobbyarbeit der Erd-Ölindustrie die Entwicklung elektrisch fahrender Autos wirklich behindert. Es ist zumindest vorstellbar. Immerhin geht es hier um Milliarden.
Während eMobilität bisher eher ein Betätigungsfeld für Freizeiterfinder war, ist es plötzlich in aller Munde. Kaum startet Tesla die Produktion, zaubern plötzlich alle großen Autohersteller e-Konzepte aus dem Hut. Interessant oder? Wenn man sich nun ansieht, welche Branchen in welchen Ländern stark sind, lässt sich daraus durchaus ableiten, welche Lobby-Gruppierungen hier wirksam sind.
Kulturelle Unterschiede sind ein weiterer, großer Einflussbereich. Um beispielhaft ein ungewöhnliches (aber sehr lukratives) Geschäftsfeld zu betrachten: In asiatischen Ländern sind nicht menschliche Hilfen für sexuelle Gefälligkeiten weitaus akzeptierter als in unseren Breitengraden.
Die erste Welle von voll funktionsfähigen Sexualpartnern aus der Fabrik wird wohl eher in Asien für Umsatz sorgen, bevor sich hier in Europa ein (Schwarz-)Markt entwickelt. Ein heikles Thema, ich weiß, trotzdem ein gutes Beispiel für kulturelle Unterschiede und deren Auswirkungen.
Diese kulturellen Unterschiede werden aber auch andere Entwicklungen wie Unternehmenskooperationen und globale Außenposten der einzelnen Firmen beeinflussen. Jedes größere Unternehmen beschäftigt eine Abteilung, welche die Differenzen ausräumen soll, die entstehen, wenn Menschen verschiedener Kulturkreise aufeinander treffen. Viele Abläufe lassen sich nicht einfach von Land A nach Land B übertragen und dieser Umstand beeinflusst die Ausbreitung der damit verbundenen Technologien.
Schon seit den drei bzw. vier Direktiven bei „RoboCop“ ist Forderung nach einer festgeschriebenen Ethik für zukünftige Entwicklungen eine weitere, sinnvolle Überlegung.
Wie setzen wir Grenzen für Maschinen, welche diese nicht überschreiten dürfen? Müssen wir alles was machbar ist auch wirklich tun? In Genetik und Medizin beispielsweise?
So nötig diese Diskussion auch ist, was immer wir danach an Regeln für nötig halten, es wird auch hier eine bremsende Wirkung erzeugt, die natürlich nur dort eintritt, wo diese Regeln auch eingehalten werden. Wenn wir uns Entwicklungen, wie globale Vereinbarungen zum Klimaschutz, Waffenhandel oder Walfang ansehen, können wir wohl auch bei den erwähnten Ethikregeln davon ausgehen, dass sich nicht alle daran orientieren werden.
Religiöse Widerstände gehören ebenfalls in diese Gruppe. Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit versuchen Religionen Weiterentwicklung zu stoppen. Vom heliozentrischen Weltbild, über Widerstand gegen Fluggeräte („Der Mensch soll nicht fliegen“), bis hin zur modernen Geburtenkontrolle wurden die Pioniere der Forschung und Entwicklung verfolgt, verbrannt, gebrandmarkt und bekämpft.
Nun mag man in den einzelnen Forschungsgebieten durchaus unterschiedlicher Meinung sein, Tatsache ist, das alles was gemacht werden kann auch irgendwo gemacht werden wird.
Im Kontext dieses Kapitels wollen wir das neutral und emotionslos betrachten und nur die Auswirkung auf die Entwicklung an sich sehen. Auch hier gelten wieder die lokalen Unterschiede, wo immer eine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Gruppierung besonders stark vertreten ist, wird das auch eine Auswirkung auf diverse Bereiche der technischen, digitalen Entwicklung haben.
Nun sollten wir auch noch berücksichtigen, dass manchmal eben auch Moores Law und die zugehörige exponentielle Entwicklung nicht greifen, weil unvorhersehbare Schwierigkeiten aufgetreten sind.
Neue Rohstoffe, die erst produziert werden müssen, Kriege, Handelsembargos, Umwelteinflüsse, Naturkatastrophen usw. Genauso oft, wie die Experten bei der Einschätzung bestimmter Entwicklungen falsch lagen (wie z.B. Watson von IBM bei seiner Einschätzung der benötigten Computer (5) weltweit), lagen sie auch falsch, wenn sie zu schnelle technologische Entwicklungen in manchen Bereichen vorhergesagt haben. Das Hooverboard aus „Zurück in die Zukunft“ gibt es aktuell genauso wenig, wie serienmäßige, fliegende Autos.
Zwar stehen wir aktuell wirklich am Scheidepunkt zwischen linearer und exponentieller Entwicklung, was bedeutet, dass deutlich mehr Vorhersagen jetzt wirklich eintreffen werden, aber eben doch nicht alle.
The human factor “Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.” Einstein soll das einst gesagt haben. Bei all den Betrachtungen zur Zukunft, denen wir uns bisher hingegeben haben, dürfen wir den begrenzenden Faktor nicht vergessen: Der Menschen an sich.
Bisher haben wir es oft ganz gut geschafft, sinnvollen Entwicklungen, die allen Menschen zugutegekommen wären, aus dem Weg zu gehen und weniger intelligente Wege zu gehen. Wir lernen in der Schule die Daten der großen Kriege und ihre Protagonisten, aber wir vermitteln deutlich weniger intensiv die Einsicht, dass Kriege keine gute Idee sind.
Noch weniger setzen wir diese Einsicht dann auch um. Ich möchte hier nicht nur schwarzmalen, die absolute Zahl der Kriegsopfer geht ständig weiter zurück, trotzdem wird diese Tendenz offensichtlich hilfreiche Strategien zu bekämpfen bestehen bleiben.
Es gibt historische eine Fülle von Beispiel dafür, wo segensreiche Entwicklungen unterdrückt wurden. Der bekannte Spruch: „Zuerst ignorieren sie dich. Dann machen sie dich lächerlich. Dann greifen sie dich an und wollen dich verbrennen. Und dann errichten sie dir Denkmäler“ stammt von dem US-Gewerkschafter Nicholas Klein (nicht von Ghandi).
Er hat Recht, auch heute noch. (er sagte das bereits 1918) Aus vielerlei Gründen ist es uns wohl oft wichtiger Bestehendes und Bekanntes zu bewahren und dafür Neues zu unterdrücken.
Als Semmelweis die Ursachen für das tödliche Kindbettfieber bei seinen Kollegen fand und sie anhielt sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren um nicht länger als Überträger der Krankheit zu fungieren, wurde er angegriffen, diffamiert und belächelt. Wir wissen alle, wer hier im Recht war.
Gerade in der Medizin gibt es seitenlang Beispiele für das selbstherrliche Verhalten der jeweils regierenden Medizin-Päpste. Frühmobilisation, Transplantation, minimal invasive Chirurgie usw. usw. Die Liste ist lang. Wer in der Medizin oder Pharmakologie etwas Neues etablieren will braucht nicht nur einen brillanten Geist, sondern auch eine gesunde Psyche um die Phase der Anfeindungen durch zu stehen.
Dabei zieht sich das von Nicholas Klein beschriebene Verhalten durch alle Bereiche unseres Lebens. Als FBI Agent James R. Fitzgerald eine Verhaltensanalyse Einheit (BAU) innerhalb des FBI aufbauen wollte, (unter anderem durch Einführung der forensischen Linguistik) wurde er nicht gerade unterstützt.
Die US Serie „Manhunt: Unabomber“ erzählt die wahre Geschichte seines Kampfes gegen Dummheit, Ignoranz und Kleingeistigkeit bevor ein „Profiler“ zu dem wurde, was wir heute kennen und bewundern.
Der historische Stoff zu Ignoranz und Unterdrückung reicht aus um ein eigenes Buch darüber zu schreiben. In unserem Zusammenhang ist „the human fator“ einfach nur ein weiterer Bremsmechanismus, den wir berücksichtigen sollten.
Einige Entwicklungen in den Schlüssel-Technologien werden vermutlich hiervon gebremst werden. Schwer zu sagen welche genau, aber es ist ziemlich sicher vorherzusagen, dass es passieren wird.
In diesem Beitrag ging es in erster Linie darum, die Auswirkungen bremsender Einflüsse auf die Schlüsseltechnologien zu berücksichtigen.
Allen Bremsen und Einflüssen zum Trotz wird es aber auf jeden Fall eine Weiterentwicklung geben und diese Weiterentwicklung wird immer noch sehr viel schneller sein, als die meisten Menschen heute glauben wollen. Genau hierin steckt natürlich auch die Chance. Mit einer durchdachten Einschätzung der Beschleuniger und der Hemmnisse hat hier jeder eine Chance auf eine großartige Zukunft.

Buch „Status: FUCK YOU“

Stell Dir vor, Du wärst in Deinem Leben an einem Punkt, der Dir jederzeit, in jeder Situation, egal, ob beruflich oder privat erlaubt von Herzen, zu allem und jedem „Fuck You“ sagen zu können. Zu können, aber nicht zu müssen, wäre das nicht traumhaft? Wäre das nicht die wahre Freiheit? Dieses Buch zeigt Dir wie das geht!

Natürlich hättest Du diesen Status sofort, wenn Du erfolgreich, sexy, reich, gutaussehend, selbstbewusst, unabhängig und so weiter wärst. Aber dorthin zu gelangen ist gar nicht so einfach. Die Erfolgsquoten der Teilnehmer in der bekannten, gängigen „Ich-mach-Dich- (Hier bitte Wunschziel einfügen)“–Branche sind doch eher überschaubar.

Wie wäre es also, sozusagen als Grundlage für weitere Unternehmungen, zuallererst einen Status anzustreben und zu erreichen, der überhaupt erst als solide Basis für weitere hochfliegende Träume funktioniert. Das ist die grundlegende Idee hinter diesem Buch. Wie so oft, ist die Idee selbst verblüffend logisch und einfach, Du musst es nur konsequent tun. In diesem Buch erfährst Du das Warum und Wie!

Wolfgang Gehrer: Lange Zeit habe ich mich selbst durch die einschlägigen Seminare, Bücher, Events, Podcasts usw. gekämpft. Mit überschaubarem Erfolg. Bis mir klar wurde, dass ich einen anderen Ansatz brauchte. Diesen hier. Er wird auch für Dich ein sensationelles Sprungbrett für alle weiteren Vorhaben in Deinem Leben sein. Versprochen!

Buch „Underdogs Secrets“

Die Welt ist voll von Eliten: High-Performer, TOP100 Unternehmen, Top Executives, DAX30, Fortune500 usw., mit einem Wort: High Level Business. Aber was ist, wenn Du nicht auf diese Party eingeladen bist? Wie bekommst Du trotzdem Zugang und Akzeptanz? Wie kommst Du an den Top-Kunden, den Top-Klienten, den Top-Geschäftspartner, den Top-Mitarbeiter, den Top-Job? Wolfgang Gehrer hat seine Karriere als Hauptschüler in einem kleinen Dorf in Oberbayern gestartet (Das bedeutet: Kein Abitur, kein Studium, kein Mitglied bei Skulls + Bones, oder anderen elitären Netzwerken). Er hat sich aus eigener Kraft hochgearbeitet zum CEO, Top-Consultant + Speaker und dabei seine eigenen, unkonventionellen Wege gefunden, oder geschaffen. Heute vermittelt er seine Underdog-Strategien, Techniken und Ansätze als Keynote Speaker und Executive Consultant. In seinen aktuellen Buch erzählt er auf gewohnt authentisch und humorvolle Art und Weise von seiner abenteuerlichen Geschichte, seinen unkonventionellen Überlegungen und pragmatischen Strategien. Aus der Praxis für die Praxis. Dabei entzündet er ein wahres Feuerwerk aus inspirierenden Impulsen, unterhaltsamen Anekdoten und nützlichen Anregungen. Es wird Dein Leben verändern.

Warum ein suboptimaler Start manchmal der beste Start ist

Erstveröffentlichung in der HuffingtonPost am 04.08.2016


Als ich meine Karriere begann (die ich damals bestimmt nicht „Karriere“ genannt hätte) war ich zuerst ein Hauptschüler ohne besondere Ambitionen und danach ein Handwerker ohne besondere Ambitionen. Mag ja sein, dass erfolgreiche Menschen normalerweise schon sehr früh damit anfangen ihren Weg zu gehen, ich tat es lange nicht. Es dauerte schließlich noch viele Jahre, bis ich doch noch auf die Idee kam, mehr aus meinem Leben zu machen. Nun hatte ich aber zwei Probleme: Ich hatte nicht nur schlechte Startbedingungen, ich war auch verdammt spät dran.
Im Rückblick sehe ich das aber eher als Vorteil. Die klassischen Wege schienen verbaut. Mit 30 Abitur nachmachen und anschließend noch studieren? Eher nicht, ich wäre gefühlt gerade rechtzeitig zur Rente fertig geworden. Also suchte ich mir andere Wege, sehr kreative und unkonventionelle Wege. Diese Vorgehensweisen waren zunächst nicht wirklich frei gewählt, es gab schlicht keine andere Möglichkeit außer der, kreativ zu werden. Aber mit ein bisschen Bauernschläue und ein bisschen Glück ergaben sich nach und nach die ersten Chancen karrieretechnisch vorwärts zu kommen.
Eine bekannte asiatische Weisheit lautet: „Wenn der Schüler bereit ist, dann erscheint der Meister“ und tatsächlich erschienen nach und nach die „Meister“ von denen ich sehr schnell lernte, wie der Hase wirklich läuft. (Erscheinen trifft es hier vielleicht nicht so ganz, manche musste ich auch ganz schön nerven, bevor sie bereit waren, mit mir zu arbeiteten) Von den Besten zu lernen beschleunigte mein Vorankommen ungemein und glich relativ schnell meine Verspätung wieder aus. Heute bin ich glücklich und sehr erfolgreich in dem was ich tue. Im Rückblick bin ich stolz auf mein Underdog-Image, die unkonventionellen Strategien und die verdrehten Wege, die ich gefunden habe und die ich gegangen bin.
Schön und gut, aber was hat das alles mit dir zu tun?
Einige der hellsten Köpfe der Menschheit waren und sind Quereinsteiger oder sind zumindest aus schwierigen Verhältnissen gestartet. Michael Faraday war Sohn eines Schmieds und erlernte zunächst die Buchbinderei, bevor er beschloss sich weiter zu entwickeln. Abraham Lincoln war Farmer, Kaufmannsgehilfe, Landvermesser und Posthalter, bevor er schließlich zu einem der bedeutendsten Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde. Buckminster Fuller wollte nach einem Bankrott und dem Tod seines Kindes Selbstmord begehen, aber besann sich eines Besseren. Er beschloss: „Sein weiteres Leben als Experiment zu verstehen: Er wollte feststellen, was eine einzelne Person dazu beitragen kann, die Welt zum Nutzen der Menschheit zu verändern“ und wurde einer der genialsten Universal-Wissenschaftler seiner Zeit. Das Internet ist voll von Geschichten über Underdogs, die es schließlich doch noch in Angriff genommen haben, ihr Potential zu entwickeln und ein Leben im Lichte ihrer vollen Möglichkeiten zu leben. Von den Karrieren der heutzutage eher bekannten Persönlichkeiten, wie Bill Gates oder Steve Jobs, will ich erst gar nicht anfangen. Wie viel ärmer wäre die Welt, wenn sie alle einfach aufgegeben hätten?
Was ist nun die Kernaussage dabei?
Ganz egal, wo du gerade stehst, oder wie alt du bist. Egal, was du bisher gemacht hast oder wie suboptimal deine Karriere bisher gelaufen ist, du hast noch eine Chance. Es gibt immer neue Wege und Möglichkeiten. Fehler, Rückschläge und miese Startbedingungen können zu Stärken werden. Ich könnte heute keine Vorträge über unkonventionelle Strategien halten, wenn ich eine klassische, geradlinige Karriere gemacht hätte. Ich weiß, dass es dort draußen noch unglaublich viel Potential gibt. Ich habe ein vor einiger Zeit ein Potenzialanalysesystem mitentwickelt und habe dabei so viele brillante Köpfe kennen gelernt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Gemeinschaft deutlich weiter sein könnten, wenn jeder bereit wäre an zu treten und der Welt zu geben, was er bisher zurück hält. In diesem Sinne: Trau dich und fang an.
Auf Huffington:
Als ich meine Karriere begann (die ich damals bestimmt nicht „Karriere“ genannt hätte) war ich zuerst ein Hauptschüler ohne besondere Ambitionen und danach ein Handwerker ohne besondere Ambitionen. Mag ja sein, dass erfolgreiche Menschen normalerweise schon sehr früh damit anfangen ihren Weg zu gehen, ich tat es lange nicht. Es dauerte schließlich noch viele Jahre, bis ich doch noch auf die Idee kam, mehr aus meinem Leben zu machen. Nun hatte ich aber zwei Probleme: Ich hatte nicht nur schlechte Startbedingungen, ich war auch verdammt spät dran.

Im Rückblick sehe ich das aber eher als Vorteil. Die klassischen Wege schienen verbaut. Mit 30 Abitur nachmachen und anschließend noch studieren? Eher nicht, ich wäre gefühlt gerade rechtzeitig zur Rente fertig geworden. Also suchte ich mir andere Wege, sehr kreative und unkonventionelle Wege. Diese Vorgehensweisen waren zunächst nicht wirklich frei gewählt, es gab schlicht keine andere Möglichkeit, außer der, kreativ zu werden. Aber mit ein bisschen Bauernschläue und ein bisschen Glück ergaben sich nach und nach die ersten Chancen karrieretechnisch vorwärts zu kommen.
Eine bekannte asiatische Weisheit lautet:

„Wenn der Schüler bereit ist, dann erscheint der Meister“

und tatsächlich erschienen nach und nach die „Meister“ von denen ich sehr schnell lernte, wie der Hase wirklich läuft. (Erscheinen trifft es hier vielleicht nicht so ganz, manche musste ich auch ganz schön nerven, bevor sie bereit waren, mit mir zu arbeiten) Von den Besten zu lernen beschleunigte mein Vorankommen ungemein und glich relativ schnell meine Verspätung wieder aus. Heute bin ich glücklich und sehr erfolgreich in dem was ich tue. Im Rückblick bin ich stolz auf mein Underdog-Image, die unkonventionellen Strategien und die verdrehten Wege, die ich gefunden habe und die ich gegangen bin.

Schön und gut, aber was hat das alles mit dir zu tun?

Einige der hellsten Köpfe der Menschheit waren und sind Quereinsteiger oder sind zumindest aus schwierigen Verhältnissen gestartet. Michael Faraday war Sohn eines Schmieds und erlernte zunächst die Buchbinderei, bevor er beschloss sich weiter zu entwickeln. Abraham Lincoln war Farmer, Kaufmannsgehilfe, Landvermesser und Posthalter, bevor er schließlich zu einem der bedeutendsten Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde. Buckminster Fuller wollte nach einem Bankrott und dem Tod seines Kindes Selbstmord begehen, aber er besann sich eines Besseren. Er beschloss:

„Sein weiteres Leben als Experiment zu verstehen: Er wollte feststellen, was eine einzelne Person dazu beitragen kann, die Welt zum Nutzen der Menschheit zu verändern“

und wurde einer der genialsten Universal-Wissenschaftler seiner Zeit. Das Internet ist voll von Geschichten über Underdogs, die es schließlich doch noch in Angriff genommen haben, ihr Potential zu entwickeln und ein Leben im Lichte ihrer vollen Möglichkeiten zu leben. Von den Karrieren der heutzutage eher bekannten Persönlichkeiten, wie Bill Gates oder Steve Jobs, will ich erst gar nicht anfangen. Wie viel ärmer wäre die Welt, wenn sie alle einfach aufgegeben hätten?

Was ist nun die Kernaussage dabei?

Ganz egal, wo du gerade stehst, oder wie alt du bist. Egal, was du bisher gemacht hast oder wie suboptimal deine Karriere bisher gelaufen ist, du hast noch viele Möglichkeiten. Es gibt immer neue Wege und Möglichkeiten. Fehler, Rückschläge und miese Startbedingungen können zu Stärken werden. Ich könnte heute keine Vorträge über unkonventionelle Strategien halten, wenn ich eine klassische, geradlinige Karriere gemacht hätte. Ich weiß, dass es dort draußen noch unglaublich viel Potential gibt. Ich habe ein vor einiger Zeit ein Potenzialanalysesystem mitentwickelt und habe dabei so viele brillante Köpfe kennen gelernt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Gemeinschaft deutlich weiter sein könnten, wenn jeder bereit wäre anzutreten und der Welt zu geben, was er bisher zurück hält. In diesem Sinne: Trau dich und fang an – Du hast etwas zu bieten, das die Welt braucht

„Wir waren Helden“

Dieser Text kursiert in verschiedenen Fassungen seit einiger Zeit im Internet. Meiner Meinung nach ist da viel Wahres dran, und beim Lesen hatte ich nicht nur Spaß, sondern mir sind noch weitere Ergänzungen dazu eingefallen, warum wir wirklich Helden waren. Vermutlich geht es dem geneigten Leser genauso. Es folgt also zunächst der Originaltext, so wie ich ihn gefunden habe (leider ohne Quellenhinweis, die ist wohl im Dunkel des Internets verloren gegangen), daran anschließend meine Ergänzungen und danach Eure Ergänzungen. Schreibt Sie einfach als Kommentar darunter. Das sollte doch ganz unterhaltsam werden. Los geht’s:

Wir waren Helden 

Was machte meine Kindheit aus und warum war sie anders als die heutiger Kinder? Dieser Text bringt es auf den Punkt. 

Wir waren Helden. Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun. Kinder von heute werden in Watte gepackt! Wenn du als Kind in den 70er oder 80er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten! Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.

Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen.

Niemand wußte, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

Wir haben uns geschnitten, brachen uns Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach “Aufsichtspflicht”. Kannst du dich noch an “Unfälle” erinnern?

Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders. Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wir hatten nicht:

Playstation/Nintendo 64/X-Box/Videospiele/64 Fernsehkanäle/Filme auf Video/Surround Sound/eigene Fernseher/Computer/Internet-Chat-Rooms

Wir hatten Freunde!!!

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns. Wie war das nur möglich?

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, daß die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!

Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen.

Und du gehörst auch dazu.
Herzlichen Glückwunsch!

Soweit das Original. Weiter geht’s:

Wenn wir uns geprügelt haben, haben wir es möglichst für uns behalten, denn  unsere Eltern wären bestimmt nicht zu den Eltern  unseres Gegners gelaufen, sondern wir hätten den Ärger bekommen.

Wir haben Moped- und Mofafahren beim Schwarzfahren gelernt. Die Zahl der Unfälle war auch nicht höher. Auto fahren später dann natürlich auch.

Unser Haupttransportmittel war unser Fahrrad und unsere Beine, nicht Mamis Auto oder irgendein organisierter Elternfahrdienst.

Aufgedrehte Kinder waren eben aufgedrehte Kinder, nicht hyperaktive. Besonders aufgedrehte Kinder waren Jungs und keine ADS Kinder. Sie bekamen in erster Linie Kakao und Nudeln und kein Ritalin.

Wegen Verletzungen die nicht mindestens genäht werden mussten ging niemand nach Hause bevor es dunkel wurde und der Spieltag vorbei war.

Wir bauten Baumhäuser ganz ohne SIMS Erfahrung.

Wir sahen um 3 Uhr morgens Boxkämpfe ohne FSK, dafür standen wir mit unseren Vätern extra auf. Trotzdem besuchten danach wir kein Antiagressionscamp und die Amokläufer unter uns waren trotzdem überschaubar. Bud Spencer hatte ebenfalls keine nennenswerte Auswirkung auf unser Aggressionsverhalten.

Hygiene war nicht unbedingt unsere Stärke vor allem bei den Jungs, dafür haben wir jetzt ein funktionierendes Immunsystem.

To be continued …. Jetzt seid Ihr dran.

Ergänzung:  Dieser Artikel ist eher als romantische Kindheitserinnerung gedacht, weniger im Sinne von „früher war alles besser“, obwohl irgendwie vielleicht doch


Dieser Artikel erschien auf meinem Ursprungsblog bei wordpress. Bevor ich den wordpress-blog verändere, lösche, oder umbaue, speichere ich die besten/ erfolgreichsten Artikel hier, als Backup sozusagen

„Wir waren Helden“ – eine Hommage